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Originaltexte aus TAGESSPIEGEL – Welt / Russland:

Noch nie so viele Verletzte bei Meteoriteneinschlag!

Es ist der erste Meteoriteneinschlag der Menschheitsgeschichte mit so vielen Verletzten. Wieso wurden die Menschen nicht gewarnt? Kann so etwas auch in Deutschland passieren?...

Ein Kondensstreifen am Himmel, ein rasender Lichtblitz, ein ohrenbetäubender Knall. Fensterscheiben bersten, Alarmanlagen heulen auf. Viele Einwohner der russischen Stadt Tscheljabinsk glauben zunächst an einen Flugzeugabsturz. Doch was sich um 9 Uhr 20 Ortszeit über dem Ural abspielt, ist ein seltenes und zerstörerisches Naturereignis: Ein Meteoritenregen geht über der Region nieder. Insgesamt sollen etwa 1000 Menschen verletzt worden sein, viele von ihnen müssen in Krankenhäuser eingeliefert werden…

…„Das ist das erste Mal, dass das passiert ist - zumindest soweit wir das dokumentiert haben“, sagte Detlef Koschny, Experte der Europäischen Weltraumorganisation (Esa). Bislang ereigneten sich größere Einschläge abseits größerer Ortschaften wie 1908 in Sibirien am Fluss Tunguska. Nach ersten Erkenntnissen der Russischen Akademie der Wissenschaften war der Himmelskörper, der jetzt mit einem Knall über Tscheljabinsk explodierte, von einem anderen Kaliber als seinerzeit der Tunguska-Meteorit. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Meteorit mehrere Meter groß und Dutzende von Tonnen schwer gewesen sein muss…

…Er schlug mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein. Auf einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern über der Erdoberfläche explodierte der Meteorit…

…“Der Meteoritenregen von Tscheljabinsk traf die Erde ohne Vorwarnung. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Tag für Tag mehrere Tonnen von Meteoriten-Teilchen in Richtung unseres Planeten unterwegs. Nur ein Zehntel davon trifft allerdings die Erdoberfläche. Entsprechend schwierig ist es, ein Frühwarnsystem einzurichten. In verschiedenen Ländern, darunter in Russland, würden Systeme zur Beobachtung der Bahnen von Himmelskörpern existieren, doch sie seien bisher ungenügend entwickelt“, sagte Oleg Malkow, Abteilungsleiter am Institut für Astronomie der Russischen Akademie der Wissenschaften. „Meist werden nur ganz große Brocken erfasst. Und selbst dann ist es schwierig, die Bahn des Geschosses zuverlässig vorherzusagen“…